Bleib bei uns Herr – Michael Praetorius (1571-1621)

Die Nacht ist kommen – Johann Hermann Schein (1586-1630)

Die Blümelein sie schlafen – Anton Wilhelm von Zuccalmaglio (1803-1869)

 

CantART Halle

 

Der Kammerchor CantART wurde 2001 von Studentinnen und Studenten aus Halle (Saale) und Leipzig ins Leben gerufen. Die musikalische Leitung hat der Kirchenmusiker Oliver Burse, Dozent für Chor- und Orchesterleitung an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle (Saale).

 

 

Michael Praetorius

 

war Sohn des lutherischen Pfarrers Michael Schulteis, eines Schülers von Johann Walter, und besuchte zunächst die Torgauer Lateinschule. Anschließend studierte er mit Unterstützung seines Bruders Theologie in Frankfurt (Oder).

 

Nach dem Tod seines Bruders wurde Praetorius Organist in Frankfurt (Oder). Im Alter von 24 Jahren ging er als Organist nach Lüneburg und trat als Kammersekretär in die Dienste des Fürsten Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel. 1604 erhielt er den Titel eines Hofkapellmeisters und wurde der Nachfolger von Thomas Mancinus. Als Hoforganist war er hier auch an der 1596 fertiggestellten Gröninger Schlossorgel tätig. Zwischen 1606 und 1612 arbeitete er mit dem berühmtesten Orgelbauer seiner Zeit, Esaias Compenius, zusammen. 1608 wurde er in den Konvent des Klosters Amelungsborn berufen.

 

Nach dem plötzlichen Tod von Heinrich Julius im Jahr 1613 bat Kurfürst Johann Georg von Sachsen unverzüglich dessen Sohn und Nachfolger, Herzog Friedrich Ulrich, ihm Praetorius als Stellvertreter des Kapellmeisters Rogier Michael zu überlassen. So trat Praetorius in die Dienste am Dresdner Hof und war zudem häufig als musikalischer Berater und Organisator auf Reisen. Als er 1614, nach Ablauf des Trauerjahres für seinen ehemaligen Dienstherrn Heinrich Julius, nach Wolfenbüttel zurückkehren wollte, wurden jedoch seine an Friedrich Ulrich gerichteten Vorschläge zur Reorganisation der Hofkapelle von Wolfenbüttel abgewiesen, weshalb er vermutlich in der Folge nur unregelmäßig in Wolfenbüttel weilte. So ist er bis 1616 noch am Dresdner Hof nachweisbar, von wo er auch noch bis 1618 finanzielle Zuwendungen erhielt. 1614 wurde er ehrenhalber zum Prior des Klosters zu Ringelheim bei Goslar ernannt, womit vermutlich auch Einkünfte verbunden waren, obwohl er nie in dem Kloster residieren musste. Sein Vermögen wandelte er zum größten Teil in eine Stiftung für Arme um.

 

Anfang 1617 kam Praetorius an den Hof zu Sondershausen, wo er die Kapelle des Grafen Schwarzburg reorganisierte. Ihr widmete er 1619 seine Polyhymnia exercitatrix; 1619 gilt daher als Gründungsdatum des Loh-Orchesters[2]. Am 26. Juni 1617 wirkte er bei Tauffeierlichkeiten am Kasseler Hof mit. 1618 war er zusammen mit Heinrich Schütz und Samuel Scheidt am Neuaufbau der Musik im Dom zu Magdeburg beteiligt. Für 1619 sind Reisen nach Leipzig, Nürnberg und Bayreuth belegt. Seine Absenzen führten zum Niedergang der Wolfenbütteler Hofkapelle; bereits von Krankheit gezeichnet, verlor er 1620 seine Position als Kapellmeister. Michael Praetorius starb 1621 an seinem 50. Geburtstag. Er wurde in der Marienkirche in Wolfenbüttel beigesetzt.

 

Quelle: wikipedia.de

 

 

Johann Hermann Schein

 

wurde als fünftes Kind eines Pfarrers im sächsischen Erzgebirge geboren. Nach dem Tod seines Vaters 1593 ging die Familie nach Dresden. Im Alter von 13 Jahren wurde Schein als Kantoreiknabe in die Hofkapelle aufgenommen, wo er eine umfassende musikalische Grundausbildung erhielt. Die kurfürstliche Landesschule Pforta, die er ab 1603 besuchte, vermittelte ihm eine humanistische Bildung.

 

Ab 1608 studierte er an der Universität Leipzig ‚Freie Künste’ sowie ‚Jura’. Direkt nach dem Studium nahm er 1612 die Stelle des Hausmusik-Direktors auf Schloss Weißenfels an. Nach drei Jahren ging er nach Weimar, um dort als Hofkapellmeister Herzog Johann Ernsts d.J. tätig zu werden. Dort blieb er aber nicht sehr lang, denn bereits ein Jahr später trat er die Nachfolge Calvisius’ als Thomaskantor in Leipzig an, einem Amt, das 100 Jahre später von Johann Sebastian Bach bekleidet werden sollte. Neben der musikalischen Betreuung von zwei Kirchen zählte der Latein- und Musikunterricht in einem Umfang von 14 Stunden pro Woche zu seinen Aufgaben.

 

Im Jahr 1616 heiratete Johann Schein seine erste Ehefrau Sidonia, mit der er fünf Kinder hatte. Nach ihrem Tod – acht Jahre später – heiratete er erneut. Mit seiner zweiten Ehefrau hatte er ebenfalls fünf Kinder, wovon vier im frühen Säuglingsalter starben. In seiner Weimarer Zeit um 1615 begann die Freundschaft zu dem Komponisten Samuel Scheidt und ungefähr zu dieser Zeit knüpfte er auch enge Kontakte zu Heinrich Schütz, die ihn beide musikalisch beeinflussten.

 

Die drei Komponisten Schein, Scheidt und Schütz brachten den italienischen Kompositionsstil nach Deutschland. Scheins zu gleichen Teilen weltliche und geistliche Stücke orientierten sich in seiner ersten Schaffensphase noch an dem italienischen stile antico, bevor er sich intensiv mit dem von Monteverdi etablierten stile nuovobeschäftigte, den er mit der deutschen Tradition zu verschmelzen wusste.

 

So übertrug er die Form des aus Italien stammenden solistischen Vokalkonzertes in seinen Opella nova I auf die deutsche Choraltradition. Schon früh litt Schein unter schwerer Krankheit und er machte mehrere Kururlaube in Karlsbad. Kurz vor seinem 45. Geburtstag erlag er in Leipzig der Schwindsucht.

 

Quelle: klassik.com

 

 

War Anton Wilhelm von Zuccalmaglio

 

ein Sammler von Volksliedern oder hat er sie selbst verfasst und komponiert?

 

Dieser fast hundert Jahre alten Frage geht der Autor mit dem Ziel nach, Fehlurteile über Zuccalmaglios Sammlertätigkeit zu korrigieren und so deren angemessen Bewertung zu ermöglichen. Die Entstehung der Vorwürfe und ihre Entkräftung sind nicht kompliziert, aber äußerst komplex. Sie beruhen auf einer Reihe von Missverständnissen und auf subjektiven Einschätzungen dessen, was richtig sei in mündlich tradierter Dichtung.

 
Der Band beinhaltet umfassende Kenntnisse des Lebens und Werks von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, des Volksliedbegriffes sowie der Volksliedforschung. Eine sehr gute Quellenlage mit Briefen, Handschriften, Aufsätze und Abhandlungen Zuccalmaglios ermöglicht es, seine Sammeltätigkeit neu und positiv zu bewerten.

 
Die Stärken der Sammeltätigkeit von Zuccalmaglio sind die Frühzeitigkeit, der klare lokale Bezug sowie die personale Bindung an Vertraute und an das Volk. So ist es ihm möglich, die bekanntesten deutschen Volkslieder gesammelt zu haben wie zum Beispiel „Kein schöner Land in dieser Zeit; Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht; Schwesterlein, Schwesterlein wann gehn wir nach Haus; Die Blümelein sie schlafen; Verstohlen geht der Mond auf; Der Jäger längs dem Weiher ging; Mein Mädel hat einen Rosenmund.“

 

Quelle: klartext-verlag