Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Herzliebster Jesu – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Blute nur du liebes Herz – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Ich will dir mein Herze schenken – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Erbarme dich, mein Gott – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Befiehl du deine Wege – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – O Haupt voll Blut und Wunden – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Wenn ich einmal sollt scheiden – Pauluschor Halle

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Matthäus Passion – Wir setzen uns mit Tränen nieder – Pauluschor Halle

 

 

Johann Sebastian Bach

 

Johann Sebastian Bach wurde 1685 in Eisenach in Thüringen geboren. Er war das achte Kind von Johann Ambrosius Bach, herzoglicher Hofmusicus, und seiner Frau Elisabeth. Die Bachs waren eine Familie angesehener städtischer Spielleute und Hofmusiker. Als ihr Stammvater gilt Veit Bach, Johann Sebastians Urgroßvater, der 1550 in der Nähe von Gotha geboren wurde, das Müllerhandwerk ausübte und gleichzeitg ein begabter Lautenspieler war.

 

 

1695, mit fast zehn Jahren, war Bach Vollwaise. Erst starb seine Mutter. Ein halbes Jahr später heiratete der Vater wieder, aber schon zwei Monate nach der Hochzeit starb auch er. Da die Witwe die Kinder nicht ernähren konnte, wurden sie auf die Verwandschaft verteilt. Johann Sebastian kam zu seinem 13 Jahre älteren Bruder Johann Christoph, der schon verheiratet und in Ohrdruf bei Erfurt als Organist der Michaeliskirche tätig war. Dort besuchte Bach die Lateinschule und erhielt eine solide Ausbildung in alten Sprachen, Logik, Mathematik, Rhetorik, Theologie und Musik. Mit 14 Jahren verließ er die Schule als zweitbester Schüler.

 

 

Im Haus des Bruders wird es eng, als die Familie sich vergrößert. Für Johann Sebastian wird eine neue Bleibe gesucht. Sie findet sich, als Bach erfährt, dass der Mettenchor der Michaelisschule in Lüneburg Jungen sucht, die eine gute Stimme haben. Im Jahr 1700 macht Bach sich zusammen mit einem Freund zu Fuß in das 300 Kilometer entfernte Lüneburg auf. Dort hörte er einige der bekanntesten Organisten seiner Zeit spielen, darunter Georg Böhm aus Lüneburg und Adam Reinken aus Hamburg. Bachs Tätigkeit als Chorsänger endete, als er 1702 in den Stimmbruch kam. Im Jahr darauf trat er seine erste Stelle als Organist an, und zwar in der Neuen Kirche in Arnstadt.

 

 

Die Tätigkeit dort erweist sich als nicht ganz unproblematisch. Bach wird zusätzlich die Leitung des Chores der Lateinschule übertragen, ein Amt, das er zunächst ablehnt, weil es nicht in seinem Vertrag steht. Es kommt sogar zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit einem Schüler. Zudem gehen Bachs musikalische Darbietungen des öfteren über die Köpfe seiner Zuhörer hinweg. Auch darüber gibt es Beschwerden. Zum Eklat kommt es, als er Ende 1705 vier Wochen Urlaub erbittet, um zu Dietrich Buxtehude nach Lübeck zu reisen, und den Urlaub einfach auf drei Monate verlängert.

 

 

Bach muss sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Die Chance bietet sich, als 1706 der Organist der Kirche St. Blasius in Mühlhausen stirbt. Bach bewirbt sich und bekommt die Stelle. Nun verdient er auch so gut, dass er es sich leisten kann zu heiraten. Im Oktober 1707 führt er seine Cousine Maria Barbara zum Traualtar. Auch in Mühlhausen hält es ihn nicht lange. Als am Hof des Herzogs von Sachsen Weimar, Wilhelm Ernst, die Organistenstelle frei wird, nutzt Bach erneut die Chance zum Wechsel.

 

 

Es folgten glückliche und finanziell gesicherte Jahre. In Weimar entstanden einige seiner schönsten Fugen und Kantaten. Die Karriereleiter klettert er ebenfalls weiter nach oben: Bach wird Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle, ein sehr angesehener Posten.

 

 

Triumph und Niederlage – im Jahr 1717 hielt sich für Bach beides die Waage. Er wurde nach Dresden eingeladen, um an einem Musikwettstreit mit Louis Marchand, Hoforganist bei Ludwig XIV., teilzunehmen, aber als er in Dresden ankam, hatte der Rivale die Stadt schon kampflos verlassen. Doch Bachs Euphorie über diesen leichten Sieg war bald verflogen. Der Herzog von Weimar lehnt eine weitere Beförderung Bachs ab. Der Komponist ist daraufhin so verärgert, dass er von nun an keine Note mehr für den Herzog schreibt.

 

 

Statt dessen bewirbt er sich erfolgreich als Kapellmeister bei dem Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Es folgt eine sehr produktive Zeit. In Köthen entstehen die Brandenburgischen Konzerte und das Orgelbüchlein. Überschattet wird die glückliche und einträgliche Zeit von dem plötzlichen Tod Maria Barbaras im Juni 1720. Ein Jahr später, im Dezember 1721, heiratet Bach Anna Magdalena Wilcken, die 20jährige Tochter des Zeitzer Hoftrompeters.

 

 

Anna Magdalena ist für Bach ein Glücksgriff. Nur sieben Jahre älter als Bachs ältestes Kind aus erster Ehe, führt sie Bach nicht nur den Haushalt, sie ist weiterhin als Sängerin tätig, versorgt seine Kinder aus erster Ehe und bringt selbst in den folgenden Jahren 13 Kinder zur Welt, von denen jedoch sechs früh sterben. In die Zeit seiner zweiten Ehe fällt auch sein größter beruflicher Erfolg: Im Jahr 1723 wird er Thomaskantor in Leipzig.

 

 

In Leipzig entstanden seine großen religiösen Werke: die Johannes- und die Matthäuspassion, das Weihnachts- und das Osteroratorium, die majestätische h-moll-Messe sowie fast 300 Kantaten.

 

 

In den letzten zehn Jahren seines Lebens verschlechterte sich Bachs Augenlicht. Trost fand er jedoch in seiner großen Familie und seinen Kindern, von denen einige selbst talentierte Musiker waren, die es zu internationalem Erfolg brachten.

 

 

Bach starb am 28. Juli 1750 an einem Schlaganfall. Seine Musik geriet danach sehr bald in Vergessenheit. Einige wenige Komponisten, wie Wolfgang Amadeus Mozart oder Ludwig van Beethoven, verehrten ihn. Aber erst dem jungen Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters Felix Mendelssohn Bartholdy gelang es mit seinen Bachkonzerten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das Interesse an Bach erneut zu wecken. Nun erst erhielt der Organist aus Thüringen, der sich in seinem Leben kaum einmal mehr als 300 Kilometer von seiner Heimat entfernte, die Anerkennung, die ihm gebührte: als ein musikalisches Genie von gewaltiger Schöpferkraft, das auch international seinesgleichen sucht.

 

Quelle

 

 

Die Matthäus Passion
Am Karfreitag 1729 erlebte eines der größten Meisterwerke der Musikgeschichte im Rahmen eines langen Vesper-Gottesdienstes seine Uraufführung in der Leipziger Thomaskirche, Johann Sebastian Bachs „Matthäus-Passion“, und geriet danach in Vergessenheit. Erst 100 Jahre später war es Felix Mendelssohn Bartholdy, der die Passion in einer denkwürdigen Aufführung mit der Berliner Singakademie in einer stark gekürzten Fassung ins Bewusstsein des Publikums zurückholte. Die Aufführung entfachte einen Sturm der Begeisterung und leitete die Renaissance der Werke Bachs ein. So große, emotionale Musik hatte man dem „alten“ Bach nicht zugetraut.

 

Man staunte über das monumentale Werk, in dem weit über die Darstellung des religiösen Stoffes hinaus menschliches Leiden und tief empfundener Schmerz ergreifend gestaltet werden. Herausragendes Merkmal der „Matthäus-Passion“ ist die doppelchörige Anlage. Sie dient nicht allein prächtiger Klangfülle sondern unterstreicht den Dialogcharakter des Textes und die Vielschichtigkeit des Passionsgeschehens. Die Erzählung des Evangelisten und die betrachtenden Arien werden durch insgesamt 13 kommentierende Choralstrophen ergänzt. Allein fünfmal erscheint die Melodie „O Haupt voll Blut und Wunden“ mit wechselndem Text und in veränderter, der jeweiligen Stimmung angepassten Harmonisierung, gipfelnd in der Chromatik des Verses „Wenn ich einmal soll scheiden“.

 

Es ist kaum möglich, aus der Fülle musikalisch eindrucksvoller Sätze einzelne herauszugreifen. Unter den konzertanten Sätzen nehmen die Alt-Arie „Erbarme dich, Gott, um meiner Zähren willen“ und die Sopran-Arie „Aus Liebe will mein Heiland sterben“, in denen zur Singstimme die Solo-Violine bzw. Solo-Flöte als konzertierende Instrumente hinzutreten, eine besondere Stellung ein. Zu den herausragenden Ensemblestücken zählen der Eingangschor „Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen“ mit dem cantus-firmus „O Lamm Gottes unschuldig“, die Choralbearbeitung „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ am Ende des ersten Teiles und der Schlusschor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“.

 

Insgesamt zeichnen eine unerschöpfliche Fülle herrlichster Melodien und kunstvoller Instrumentalwirkungen die Arien, Chöre und ariosen Rezitative aus. Sie zeigen kompositorische Meisterschaft in der Verbindung von vokaler und instrumentaler Gestaltung und bekräftigen die mitreißende Ausdruckskraft von Bachs musikalischer Sprache, die dieses Monumentalwerk zu einem der größten Vokalwerke aller Zeiten macht.