Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Kantate BWV 36 – Nun kommt der Heiden Heiland | Leitung – Sebastian Schwarz

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Brandenburgisches Konzert F- Dur – 1. Satz | Leitung – Sebastian Schwarz

Johann Sebastian Bach (1685-1750) – Kantate BWV 91 – Das hat er alles uns getan | Leitung – Sebastian Schwarz

 

 

Kantate BWV 36 – Schwingt freudig euch empor

 

Bach schrieb die Kantate 1731 in Leipzig für den 1. Advent, den Beginn des lutherischen Kirchenjahres. Dieser Sonntag war in Leipzig der einzige Adventssonntag, an dem eine Kantate aufgeführt wurde, an den weiteren wurde tempus clausum eingehalten. Die vorgeschriebenen Lesungen waren Röm 13,11–14 LUT, „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber herbei kommen“, und Mt 21,1–9 LUT, der Einzug Jesu in Jerusalem.

 

Die Kantate geht auf eine Glückwunschkantate mit dem gleichen Textanfang aus dem Jahr 1725 zurück, Schwingt freudig euch empor, BWV 36c, die er für den Geburtstag eines Lehrers an der Universität Leipzig geschrieben hatte. Deren Text wurde möglicherweise von Picander verfasst, der ihn zu einer Glückwunschkantate für Charlotte Friederike Wilhelmine von Anhalt-Köthen, Steigt freudig in die Luft, BWV 36a, umarbeitete.

 

Diese Kantate wurde am 30. November 1726 erstmals aufgeführt. Eine weitere Version war, vermutlich 1735, die Glückwunschkantate für ein Mitglied der Leipziger Juristenfamilie Rivinius, Die Freude reget sich, BWV 36b.

 

Bach arbeitete die Kantate zu einer Kirchenkantate um, indem er vier ihrer Sätze kombinierte und durch die letzte Strophe von Philipp Nicolais Kirchenlied Wie schön leuchtet der Morgenstern abschloss. Der Librettist dieser Bearbeitung, die sich eng an den Text der weltlichen Kantate anlehnt, ohne näher auf die Lesungen einzugehen, ist unbekannt. Klaus Hofmann bemerkt, dass der jubelnde Eingangschor gut zum Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem passt, das die „jubelnden Hosianna-Rufe des Volkes“ erwähnt. Das Datum der Bearbeitung ist ebenfalls nicht bekannt, da sie nur in einer Abschrift von Bachs Schüler Christoph Nichelmann erhalten ist.

 

1731 schließlich nahm Bach eine grundlegende Umarbeitung vor und schrieb eine neue Partitur. Er wechselte die Arien nicht mit Rezitativen ab, sondern mit drei weiteren Kirchenliedstrophen, die er Martin Luthers Nun komm, der Heiden Heiland entnahm.

 

Mit diesem Hauptlied für den 1. Advent hatte er bereits 1714 seine Kantate zum gleichen Anlass begonnen, Nun komm, der Heiden Heiland, BWV 61, und in seinem Jahrgang von Choralkantaten 1724 hatte er es der Kantate Nun komm, der Heiden Heiland, BWV 62, zugrunde gelegt. Die Liedstrophen „verankern nun gewissermaßen die Kantate fest auf adventlichem Grund, geben ihr liturgische Eindeutigkeit und einen klaren inhaltlichen Bezug“.

 

Bach legte die neue Kantate zweiteilig an, vor und nach der Predigt zu musizieren. Er beschloss Teil I mit einer Strophe von Nicolais Lied. Im textlichen Zusammenhang wählte er die sechste Strophe. Teil II beschloss er mit der letzten Strophe des Lutherliedes.

 

Bach führte die Kantate am 2. Dezember 1731 erstmals auf, eine Woche nach Wachet auf, ruft uns die Stimme, BWV 140.

 

Quelle:wikipedia.de

 

 

Brandenburgisches Konzert Nr.2 F- Dur

 

Am 2. Konzert kann man ablesen, wie sehr Bach mit den Usancen höfischen Musikerdienstes vertraut war: Blockflöte, Oboe und Geige gehörten zum Instrumentarium der Cammermusici eines Serenissimus. Im Mittelsatz des Konzerts bleiben sie unter sich und bilden mit dem Basso continuo ein klassisches Quadro, einen intimen Quartettsatz, wie man ihn um 1720 allenthalben hören konnte.

 

In den Ecksätzen aber gesellt sich neben dem Streichertutti ein Musiker hinzu, der in der höfischen Hierarchie an ganz anderer Stelle angesiedelt war: ein Trompeter. Zur Militärmusik gehörig und in der Regel mit Pauken auftretend, waren die Hoftrompeter robuste Gesellen, die vor ihrem “Freisprechen” an mindestens einem Feldzug teilgenommen haben mussten. In Bachs Concerto lässt die Trompete an ihrer Herkunft keinen Zweifel aufkommen: sie mischt sich ins einleitende Tutti gleich mit einer Militärfanfare ein.

 

Nur ausnahmsweise wurden Hoftrompeter dazu abkommandiert, der delikaten Tafelmusik des Fürsten beizuwohnen und mit den Cammermusici zu konzertieren. Aus einer solchen Situation muss Bach den Einfall zu diesem Konzert gewonnen haben: In ein Concerto da camera für Flöte, Oboe, Geige und Streicher mischt sich die Trompete ein und drückt dem Konzert ihren Stempel auf.

 

Die beiden Ecksätze tragen ausgesprochen martialische Züge. Sie scheinen von den Heldentaten barocker Fürsten zu künden. Wie die Fama mit der Trompete in der Hand im Giebelfeld des Engerser Schlosses zum Ruhme des Kurfürsten aufspielt, so ergehen sich die Instrumente hier im lauten Jubel aus lauter Fanfarenmotiven.

 

Bach wäre nicht er selbst, wenn er diesem kraftstrotzenden Militärklang, der das Tutti des ersten Satzes prägt, nicht ein weicheres Thema der Solisten gegenüberstellte, das noch dazu fugiert durch die Stimmen wandert. Flächiges Laufwerk in langen Sequenzen ist die Folge, das sich mit dem martialischen Rhythmus des Hauptthemas immer wieder zu großen Steigerungen verbindet.

 

Der Mittelsatz bleibt wie gesagt dem Quartett der Cammermusici überlassen, ein Klagegesang über einem unausgesetzt “gehenden” Bass. Der ausgesperrte Trompeter macht sich wieder im Finale bemerkbar: Er schmettert ein jubilierendes Fugenthema in die Runde, das die anderen drei Solisten aufgreifen und nach allen Regeln der Kunst durchführen, während die Tuttistreicher hier lediglich als Klangfüllung fungieren.

 

Quelle: kammermusikführer.de