J.S. Bach (1685-1750) – h Moll Messe – Laudamus te | Leitung – Karlheinz Kaiser

J.S. Bach (1685-1750) – h Moll Messe – Et resurexxit | Leitung – Karlheinz Kaiser

J.S. Bach (1685-1750) – h Moll Messe – Et in Spiritus sanctum dominum | Leitung – Karlheinz Kaiser

 

 

Kantorei der Friedenskirche Radebeul

 

Mit Musik können wir Freude und Leid, Dankbarkeit und Verzweiflung, alle Höhen und Tiefen des Lebens zum Ausdruck bringen, uns geborgen und zu Hause fühlen und Gottes Nähe spüren. Musik lebt aber nur durch Menschen, die sie ausüben.

In der Friedenskirchgemeinde gibt es viele Möglichkeiten, sich musikalisch einzubringen. Unsere Chöre leben davon, dass sich immer wieder Menschen aller Altersgruppen bereit erklären mitzumachen. Musik selber zu machen steht natürlich auf einer höheren Stufe, als sie nur zu hören. Lassen Sie sich einladen, aktiv die Kirchenmusik unserer Gemeinde mitzugestalten.

Der Oratorienchor (Kantorei) Etwa seit 397 Jahren gibt es eine Kantorei. Die Kantorei, der Oratorienchor der Friedenskirche, führt jährlich zwei bis drei große Werke auf. Besonders hervorzuheben ist die Mitwirkung bei der CD „Musik in der Friedenskirche“ und die Chorreise nach Israel mit drei Aufführungen der Dvorak-Messe in D und nach Griechenland. Auch gibt es mehrere Kantatengottesdienste im Jahr.

Probentermine: donnerstags 19.30 Uhr im Bachzimmer

Der Kammerchor der Friedenskirche widmet sich vor allem anspruchsvoller a-capella-Musik. Höhepunkte sind immer ein Konzert im Rahmen des Radebeuler Orgelsommers, alle zwei Jahre zum Herbst- und Weinfest mit der Aufführung Carl Orffs „Carmina Burana“ und der Aufführung einer Weihnachtsgeschichte im Dezember.

 

Musik in der Friedenskirche

 

 

 

Hohe Messe in h Moll

 

Gegen Ende seines Lebens stellte Bach verschiedene Werke, die er zwischen 1724 und 1749 komponiert hatte, zu einer Missa tota, einer vollständigen Messe, zusammen. Der Anlaß für diese Bearbeitung ist nicht bekannt, doch möglicherweise könnte die anstehende Einweihung der Dresdner Hofkirche der Grund gewesen sein. Eine Aufführung der gesamten Messe zu Bachs Lebzeiten ist nicht nachweisbar. Im November 1736 war Bach vom Kurfürsten in Dresden zum Hof-Compositeur ernannt worden und wollte vielleicht erneut auf sich aufmerksam machen.

 

Vielleicht war er aber auch um eine Messe gebeten worden, denn immerhin hatte er angeboten, iedesmahl auf Ew. Königlichen Hoheit gnädigstes Verlangen, in Componirung der Kirchen Musique sowohl als zum Orchestre meinen unermüdlichen Fleiß zu erweisen. Das Kantorat an der Leipziger Thomaskirche bedeutete für Bach auch eine Abhängigkeit von seinen Vorgesetzten und schon bald nach seiner Anstellung strebte Bach nach weiteren Beziehungen.

 

So war er bis 1728 Ehrenkapellmeister in Köthen und errang wenig später das gleiche Amt am Weißenfelser Hof. Schon in den Zwanziger Jahren orientierte er sich nach Dresden, dem bedeutendsten Hof des Landes. Für den Amtsantritt Friedrich August II. im Jahre 1733 komponierte Bach eine Missa brevis, die zwar nur die ersten beiden Teile des Ordinariums enthielt, aber aufgrund der Unterteilungen immerhin zwölf einzelne Sätze hatte. Diese Missa brevis übernahm Bach später als Kyrie und Gloria in die H-Moll-Messe.

 

Das Kyrie beginnt mit dem vollen Klang des vom Orchester begleiteten fünfstimmigen Chores, das Tempo ist getragen (Adagio) und die Harmonien sind spannungsvoll. Die Messe beginnt mit einer wirklichen Anrufung: „Kyrie eleison!“ (Herr, erbarme dich! Schon nach vier Takten ändert sich der Charakter: Flöte und Oboe stellen das Thema der sich nun entwickelnden Fuge vor. Es ist eine große fünfstimmige Fuge mit dem Gestus eines Klagegesangs. Das „Christe eleison“ vertont Bach dagegen als Duett für zwei Soprane und verwendet lediglich die Violinen und die Baßgruppe zur Begleitung. Das von den Instrumenten vorgestellte Ritornell hat deutlich weltlichen Charakter und erinnert an die Brandenburgischen Konzerte.

 

Diese ersten beiden Sätze der Messe trennt der Gegensatz von Gott (Kyrie) und Mensch (Christe). Der dritte Teil des Kyrie, bestehend aus einer vierstimmigen Fuge, ist wieder an Gott gerichtet und wird von Chor und Orchester gestaltet. Auffallend, weil besonders selten, ist die verminderte Terz im Themenkopf, die damals zusammen mit der Harmonisierung einen neapolitanischen Eindruck hervorrief. Der ausdrucksvolle, sogenannte Neapolitanische Sextakkord, der auf der zweiten Silbe des Wortes „Kyrie“ erklingt, stammt aus der Opernmusik Italiens und war in der Kirchenmusik umstritten. Die Gemeinde sollte seelisch erbaut und nicht unterhalten werden.

 

Zu den beiden Sätzen der Missa brevis ergänzte Bach in den Jahren 1748 und 1749 die übrigen Teile des Ordinariums: Das älteste Stück ist das Sanctus, das der Thomaskantor für die Weihnachtsmesse 1724 komponiert hatte. Für die Sätze Osanna, Benedictus und Agnus Dei übernahm Bach die Musik älterer Werke, meist einzelne Sätze aus verschiedenen Kantaten, die er teilweise nur geringfügig überarbeitete, und tauschte den ursprünglichen Text gegen das Messordinarium aus. Das Credo, das Bach mit Symbolum Nicenum überschrieb, komponierte er zu großen Teilen neu, aber auch hier finden sich ältere Werke wie zum Beispiel ein Satz aus der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zargen“, der das „Crucifixus“ der H-Moll-Messe bildet.

 

Dieses Stück zeichnet sich durch ein chromatisch abwärts geführtes Baßmotiv aus, das sich stets nach vier Takten wiederholt. Diese Chromatik symbolisiert das Leiden Jesu am Kreuz. Das Osanna geht auf die weltliche Kantate „Preise dein Glücke, gesegnetes Sachsen“ aus den Dreißiger Jahren zurück, die ihrerseits wiederum eine Bearbeitung einer früheren Komposition ist. Auch die Komposition des Agnus Dei findet sich im wesentlichen bereits in einer Kantate, die Bach 1725 anläßlich einer Hochzeit schuf.

 

Das klangvolle „Dona nobis pacem“ bildet den Schlußsatz der Messe und knüpft an das „Gratias agimus“ des Gloria an. Die Praxis, alte Werke noch einmal in neuen Sammlungen zusammenzustellen, ist kennzeichnend für Bachs letzten Lebensabschnitt. Anscheinend wollte er sein Schaffen für die Nachwelt in repräsentativen Werken zusammenfassen, die er mit großer Sorgfalt anlegte. Darüber hinaus komponierte er Zyklen, die zwar keine älteren Stücke enthalten, aber dafür auf Formen zurückgreifen, die Bach sein Leben lang gepflegt hatte – allen voran die Fuge.

 

Zu den bedeutendsten Werken, mit denen sich Bach in seinem letzten Lebensjahrzehnt beschäftigte zählen neben der H-Moll-Messe die Goldbergvariationen (1742), der Zweite Teil des Wohltemperierten Klaviers (1744), das Musikalische Opfer (1747) und – unvollendet hinterlassen – Die Kunst der Fuge (1750).

 

Die H-Moll-Messe ist eine Synthese der Epochen vor Bach mit der Harmonik und den Formen des Hochbarock. Das Werk ist gerade in dieser Hinsicht von besonderer musikgeschichtlicher Bedeutung und scheint wie das Ziel einer Jahrhunderte langen Entwicklung. Die geschlossene, musikalische Form der Messe finden wir schon bei Machasts Messe de Notre Dame. Die Polyphonie Bachs geht auf die frankoflämische Schule zurück, deren Hauptvertreter Palestrina von Bach sehr geschätzt wurde. Die klassische Vokalpolyphonie des Italieners zählte man damals zum stile antico, den Bach gerade in der H-Moll-Messe oft verwendet.

 

Ein Beispiel dafür ist der Beginn des Credos: Bach zitiert einen mittelalterlichen Kirchengesang, der von allen fünf Stimmen und schließlich auch von den Violinen imitiert wird. Die Arien dieser Messe knüpfen letztendlich an die Werke Monteverdis an, dessen monodischer Stil dem Sologesang entscheidende Impulse gegeben hatte und dessen Streben nach Textausdeutung für die Komponisten des Hochbarock selbstverständlich geworden war.

 

Die Form des italienischen Concerto, wohl die modernste Form in Bachs Komposition, findet sich in den Arien der H-Moll-Messe. Alle diese historischen Einflüsse vermochte Bach in seinem Stil zu vereinen und schuf ein Werk, das bei aller Schönheit der Musik auch als ein Kompendium der Kompositionsgeschichte dienen könnte.

 

Die H-Moll-Messe ist ein Vermächtnis Bachs. Die erste Aufführung der gesamten Messe erlebte Berlin erst am 12. Februar 1835 und auch der Druck des Werkes ließ über 100 Jahre auf sich warten. Die Komposition erschien erst 1845 beim Verlag Simrock in Bonn. Aus jener Zeit stammt auch die Bezeichnung „Hohe Messe“, die den besonderen Gehalt des Werkes andeutet. Man sah es damals als barockes Gegenstück zu Beethovens genialer Missa solemnis.

 

Quelle: Magazin klassik.com