Charles Gounod (1818-1893) – Cäcilienmesse – Credo | Pauluschor Halle | Staatskapelle Halle

Charles Gounod (1818-1893) – Cäcilienmesse – Benedictus | Pauluschor Halle | Staatskapelle Halle

George Bizet (1838-1875) – Te Deum | Pauluschor Halle | Staatskapelle Halle

 

 

Charles Gounod – Cäcilienmesse

 

 

Um ein Haar wäre der „Abbé Gounod“ Priester geworden und hätte der Musik entsagt. Doch 1848 brach er sein Studium am Priesterseminar St. Sulpice ab, um die Tochter eines Klavierlehrers zu heiraten und sich der Oper zu widmen. Aber hat der Komponist des bis heute als Hauptwerk globalen Sakralkitsches populäre Ave maria wirklich nie das Amt des geistlichen Würdenträgers angetreten?

Der Blick auf sein reiches kirchenmusikalisches Schaffen legt anderes nahe. Der Mann war, wie er selbst sagte, ein „christlicher Künstler“, der seine Entscheidung, die geistliche Laufbahn zu verlassen, mit fünfzehn Messen, zwei Requien, Oratorien und zahllosen kleineren Werken für Liturgie und Gottesdienst reichlich verzollt hat. Trotz allen Erfolgen seiner späteren Opern, von der Kirche hat „der romantisch fromme Franzose“ (G.B. Shaw) sich nie entfernt. Nicht ohne Grund ist sein Inno e Marcia Pontificale bis heute die Hymne des Vatikans. Welcher Gott ist es also, den Gounod in seinen Kompositionen beschwört?

Wir erfahren es historisch präzise am Ende seiner Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécil. Die Heilige Cäcilia, dem 19. Jahrhundert eine Schutzheilige gegen die Neutöner und Zukunftsmusiker, hat Gounod sein Leben lang begleitet. Schon als junger Mann war er in Italien, hatte den Grand Prix de Rome gewonnen und den Chor der Sixtinischen Kapelle mit seinen Palestrina-Gesängen gehört. Von Beginn an war ihm an der Restauration alter kirchlicher Gesangsformen gelegen. Das dreiteilige Gebet im Schlusssatz seiner Cäcilienmesse gilt entsprechend „der Kirche, der Armee, der Nation“ und dem weltlichen Herrscher Napoleon III., als konservativer Bewahrer des Kirchenstaats unter französischer Protektion.

Die am 22. November 1855 zum Jahrestag der Heiligen, an Saint-Eustache in Paris uraufgeführten Messe lässt sich hören als ein klares Bekenntnis zum drei Jahre zuvor erneuerten französischen Kaisertum. Verteidiger des Parlamentarismus wie de Tocqueville waren unter der neuen Ägide verhaftet, politische Gefangene auf die Teufelsinsel verbannt, die freien Wahlen abgeschafft worden. Gounods Messe übertönt diese Konflikte. Der erneuerte Glaube an einen Kaiser von Gottes Gnaden spiegelt sich in jedem Takt seiner Musik wieder. Saint-Saëns schreibt in seinen Portraits et Souvenirs über die Uraufführung: „Diese Einfachheit, diese Größe, dieses reine Licht, das sich über die Musikwelt wie eine Dämmerung breitete, setzte die Leute sehr in Erstaunen: (…) Zunächst war man geblendet, dann berauscht und endlich überwältigt.“

Der Einfachheit und Größe des absolutistischen Herrschers entspricht Gounods Neigung, archaisch-altrömische Simplizität mit dem herrschaftlich-opernhaften Pomp einer enorm farbenreichen Instrumentation zu verbinden. Zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, vier Fagotte, vier Hörner, Trompeten, Posaunen, Schlagzeug und Streicher werden von nicht weniger als sechs Harfen begleitet, die am Schluss des Credo die kommenden Welten des neuen Sonnenkönigs beschwören. Dazu stehen in Kontrast das an gregorianische Melodik erinnernde Thema, mit dem das Kyrie umrahmt wird, die fast durchweg homophonen Chorsätze, die auffallend schlicht gehaltene Harmonik und die moderaten, auf einen großen Hall- und Kirchraum ausgerichteten Tempi.

Gounods Vereinigung von römischer Tradition und an Berlioz geschulter Instrumentationstechnik ging auf. Das Stück erlebte noch zu Lebzeiten des Komponisten zahlreiche Neuauflagen und Bearbeitungen, kaum ein anderes kirchenmusikalisches Werk war dermaßen populär, die geistliche Legitimation des neuen Kaisers vermittelte sich hier musikalisch ins Unbewusste einer ganzen Nation. Der „Abbé Gounod“ hatte mit seiner missionarischen Messe mehr für den Erhalt seiner Kirche, Armee und Nation getan, als es einem einfachen Priester je möglich gewesen wäre

Seine Kaisertreue hat er übrigens noch bis zuletzt bewiesen. Als Napoleon III., entmachtet durch den Deutsch-Französischen Krieg, 1870/71 ins Londoner Exil geht, folgt ihm auch sein Haus- und Hofkomponist nach, gründet den „Gounod’s Choir“ und wendet sich noch einmal ab von der Oper und der Kirchenmusik zu. Als könne er so dem alten Kaiser noch einmal zur Macht verhelfen. Gounods heilige Cäcilie war eine Hofdame mit gewaltigen Klangmitteln, doch von begrenzter Macht. Sie hatte alles getan, was sie konnte. Aber angesichts der hereinbrechenden Moderne war sie wirklich am Ende mit ihrem Latein.

C. Filips 2012

Georges Bizet

 

hat durch seine Oper „Carmen“ unsterblichen Ruhm erlangt. Dass er auch kirchenmusikalische Werke komponiert hat, ist eher unbekannt. Die Chorgemeinschaft Isny, die sich für die Wiederentdeckung unbekannter Werke des 19. Jahrhunderts – insbesondere auch aus Frankreich – einsetzt, möchte mit dem Te Deum diese Seite des Komponisten Bizet aufzeigen.

 

Bizet erhielt 1857 den von der französischen „Akademie“ ausgeschriebenen „Großen Preis von Rom“, der ihm einen Aufenthalt in Rom ermöglichte. In dieser Zeit komponierte er sein Te Deum, den sog. Ambrosianischen Lobgesang, der dem Hl. Ambrosius (um 400) zugeschrieben wird. Das Werk beginnt mit einem majestätischen und triumphalen Gotteslob, das nur unterbrochen wird durch weiche Akkorde, die den Lobgesang der Engel und das Wehen des Heiligen Geistes ausdrücken. Tenor-Solo und Chor künden vom Lob der Apostel und Märtyrer mit unaufhörlichen „Sanctus“-Rufen“, bevor das Anfangsthema den Satz abrundet.

 

Im 2. Satz künden punktierte Rhythmen und Fanfaren der Solo-Posaune, der Solo-Stimmen und des Chores vom „König der Herrlichkeit“, und nur bei der Stelle, wo der König als Richter (judex) erscheint, erhält der Satz eine Eintrübung.

 

Der 3. Satz ist eine innige Bitte um Erbarmen.

 

Im 4. Satz zeigt Bizet alle Künste der Fugentechnik; das Ende dieser Fuge bildet eine gewaltige Steigerung, die das unerschütterliche Vertrauen in Gott zum Ausdruck bringt (non confundar in aeternum). Am Schluss wird das Anfangsthema des Werkes wieder aufgegriffen, um es abzurunden.

 

Quelle: Chor Isny